Paradoxe Kälteempfindung

Der Begriff Paradoxe Kälteempfindung ist in seiner Bedeutung selbsterklärend.
Paradox: widersinnig, Kälteempfindung: die Reaktion des Körpers auf niedrige Temperaturen.
Sprich es ist uns kalt, obwohl es eigentlich warm sein sollte.

Der Temperatursinn

Er ist ein sehr wichtiger Sinn im Körper aller Lebewesen. Er schützt uns davor in der Sonne zu überhitzen oder uns in der Kälte Erfrierungen zu holen. Wie bestimmt aus dem Alltag bekannt, hat jeder Mensch eine unterschiedliche Auffassung von Kälte oder Wärme, was diese zu einer sehr subjektiven Empfindung macht. Grundsätzlich hängt diese aber natürlich davon ab wie stark wir bekleidet sind und welcher Tätigkeit wir gerade nachgehen. In Badekleidung sitzend finden wir durchschnittlich um die 30°C angenehm, in Wanderkleidung den Berg hinauf jedoch nur etwa 15°C.

Warum fühlen wir Wärme und Kälte?

Unser Temperaturempfinden vermitteln uns Thermorezeptoren und zwar Wärme- und Kaltrezeptoren. Diese erzeugen bei gleich bleibender Temperatur konstante Impulse (Aktionspotentiale). Diese Sensoren messen keine Absolutwerte, sondern Geschwindigkeit und Ausmaß von Temperaturveränderungen und reagieren darauf mit einer Änderung der Impulsfrequenz. Die Kaltrezeptoren haben ihren optimalen Empfindlichkeitsbereich bei 25°C, hier reagieren sie je nach Abkühlung oder Erwärmung mit Zunahme oder Abnahme der Impulsfrequenz. Steigt die Aktivität der Rezeptoren, wird uns kalt. Sinkt diese, wird Wärme vermittelt. Genau das Gegenteil passiert bei den Wärmerezeptoren.

Kalt vor lauter Hitze

Wie bereits erläutert, haben Kälterezeptoren ihren besten Wirkungsbereich bei 25°. Unterhalb von 10°C und über 40° ist die Reaktion der Rezeptoren stark herabgesetzt bzw. nicht mehr vorhanden. Bis auf eine Ausnahme: bei Temperaturen von über 45° können sie nochmals aktiv werden. Dieses Verhalten gleicht dann dem der Nozizeptoren (freie, sensorische Nervenendigungen). Diese werden normalerweise zum Auslösen von Schmerz und Schutzreflexen gebraucht. Allerdings kann, wie in diesem Fall bei hoher Reizintensität (z.B. bei thermischen Reizen), eine Erregung erfolgen. Speziell bei einem besonders schnellen und starken Temperaturanstieg (Temperaturschock), zum Beispiel in der heißen Badewanne oder in der Sauna, kann es zur Entladung der Kaltrezeptoren kommen. Dies führt dann zum Phänomen der paradoxen Kältereaktion.

Weiterführende Informationen

PDF Freie Universität Berlin – Dissertation zu der Bedeutung von Nozizeptoren in Bezug auf wirkungsvolle Schmerztherapie

SWR: Kälte - Warum empfindet sie jeder Mensch anders - Video

SWR: Kälte - Warum empfindet sie jeder Mensch anders - Video

Video: „Kälte – Warum empfindet sie jeder Mensch anders?“ | SWR „Odysso – Das will ich wissen!“